Geschichte


Die URSPRÜNGE gehen auf die GALLOROMANISCHE ZEIT zurück

Zoom auf die Römerstraße Das Weinanbaugebiet von Pouilly wurde ab dem V. Jahrhundert zum ersten Mal in Form von "Pauliacum super fluvium ligerim" erwähnt. Es war damals eine galloromanische Domaine aus dem Beginn der Kaiserzeit. Der Name stammt aus dem lateinischen Eigennamen "Paulium" und dem gallischen Suffix "accus" (die Domaine von Paulus). Ungefähr 680 vermacht der Bischof Vigil in seinem Testament seine Domaine von Pouilly, -Pauliaca villa- "mit den Weinbergen" der Abtei Notre-Dame-d'Auxerre. Relikt dieser Epoche ist DIE VIA ROMANA (Römerstraße), die man in Pouilly noch sehen kann (der ehemalige Verlauf führte über Genabum (Orléans), Novacium (Neuvy/Loire), Pauliacum (Pouilly/Loire), Noviodunum (Nevers), hinunter nach Bibracte und weiter über den Ort St-Père-sous-Vézelay).


EXPANSION dank der KLOSTERORDEN

Loge der Mönche Das Weinanbaugebiet Pouilly/Loire erfuhr einen wahrhaften Aufschwung dank der religiösen Ordensgemeinschaften, vor allem der Benediktiner. Das ist kein Zufall, die Erklärung hierfür ist einfach: Der Weinbau ist einerseits erst nach vielen Jahren defizitären Betriebs einträglich, andererseits sind die eventuell möglichen Gewinne abhängig von unvorhersehbaren Entwicklungen. Einzig und allein die Mönche - frei von persönlichen oder familiären Bedürfnissen - konnten sich dieser Arbeit mit erst spät einstellender Rentabilität widmen. An einem der über der Loire liegenden Hänge hat eine Rebfläche von ca. 4 ha die Bezeichnung "LOGE AUX MOINES (Loge der Mönche)" beibehalten. Es ist diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass damals an dieser Stelle eine Empfangsstätte für Pilger auf der Durchreise existierte. Diese wurden unentgeltlich aufgenommen, das von Mönchen geführte Haus bezog seine Geldmittel aus den Spenden an die Pfarre. Eine dieser Schenkungen war verknüpft mit der Versorgung mit Weinen von einem Weinberg im Gebiet der Logen, woraus dann der Name "Loge aux Moines" (Loge der Mönche) entstand.

DAS FEUDALWESEN und die TÄTIGKEITEN DER WEINBAUERN



Im X. Jahrhundert herrscht das Feudalwesen, dessen Sitten und Gebräuche lange Zeit beibehalten werden, da das Volk aus dem Nivernais, ganz im Gegensatz zu den anderen Regionen, niemals der Krone unterstellt war. Die Bedingungen für die Winzer sind zu dieser Zeit nicht beneidenswert : Denn zusätzlich zu den immer zahlreicheren Frondiensten für den Gutsherrn müssen sie sich auch noch den dafür geltenden Gesetzen beugen. So setzt der Lehnsherr die "öffentliche Ankündigung" der Weinlese fest, wobei er dafür den für sich günstigsten Zeitraum aussucht. Erst dann beginnen die Weinbauern mit der Lese je nach Verfügbarkeit der Pressen des Gutsherrn, der als einziger im Besitz einer derartigen Einrichtung sein darf, so wie auch nur er allein zum Bau eines Backofens oder einer Mühle berechtigt ist.



Das WEINANBAUGEBIET POUILLY geht in den BESITZ der BENEDIKTINER über

Pouilly sur loire Das Dorf Les Berthiers Fröhliche Zeit
Das Ende des Xl. Jahrhunderts sieht eine große Zahl lokaler Gutsherren fortziehen, um auf heiligem Boden Krieg zu führen; um ihre Kreuzzüge zu finanzieren, verkaufen sie ihr Hab und Gut. Auf diese Art und Weise wurde das Lehensgut Pouilly an die Benediktiner der Charité für den Betrag von "3 100 Sous und 1 Marc d'argent (Silbermark)" abgetreten . Und schließlich gibt es noch einen weiteren Einflussbereich des Klosters, nämlich den der Kartäuser von Bellary, die sich 1209 niederließen.



Seit dem XIII. Jahrhundert werden die WEINE aus POUILLY von den KÖNIGEN GESCHÄTZT

Louis XI Im XII. Jahrhundert ist der Wein aus Pouilly bereits sehr berühmt.
Eine altfranzösische Versdichtung mit dem Titel "La bataille des vins" (Die Schlacht der Weine) preist die besten Weinlagen Frankreichs und insbesondere die von Pouilly, die bereits zu dieser Zeit einen guten Ruf besaßen.
Ab 1356 haben die Bewohner von Pouilly, wie übrigens auch der Rest des Königreichs, die Qualen des Hundertjährigen Krieges durchlitten. Diese Jahrzehnte des Krieges, die mit Epidemien einhergingen, hinterließen eine vernichtete Region. Die Tradition des Weinbaus blieb dennoch auf unseren Hängen verwurzelt, und die Bekanntheit der Weine von Pouilly dehnte sich aus bis nach Flandern, dem damaligen Lehen der Grafen von Nevers... ebenso gab es anlässlich jedes königlichen oder fürstlichen Besuchs in der Region von Nevers Weinfässer mit Pouilly als Geschenk.
Ludwig der XI. ließ sich eigens Wein aus Pouilly in sein Schloss Plessis-les-Tours schicken, zur großen Verzweiflung der ortsansässigen Weinbauern.


Die NUTZUNGSRECHTE FÜR WEINBAUERN wurden ab dem XVI. JAHRHUNDERT eingerichtet

Im XVI. Jahrhundert wurden uns Erkenntnisse sowohl über gesetzliche Regelungen, als auch über die Bräuche im Nivernais durch die Schriften von GUY COQUILLE überliefert. Bereits zu dieser Zeit bearbeiteten die Weinbauern den Weinberg nicht mit der Hacke, wenn im April der Wind von Norden blies und die schrecklichen Frühjahrsfrosteinbrüche ahnen ließ. Hingegen mussten die in Teilpacht vergebenen Weinberge während des Sommers zwangsläufig zweimal mit der Hacke bearbeitet werden.

Gartenschere Hippe mit einem Karst<br>und scharfem Schneidenrücken Gartenhacke Rückenspritze
GartenschereHippe mit einem Karst
und scharfem Schneidenrücken
GartenhackeRückenspritze


Die Bewirtschaftung des Weinbergs geschieht in INTERESSENSGEMEINSCHAFTEN DER WEINBAUERN

In der jüngeren Geschichte zeugen notarielle Urkunden aus der Zeit vor der Revolution von mehreren Winzer-Interessensgemeinschaften. Kurz vor der Revolution war das Leben in einer Interessensgemeinschaft im übrigen der Regelfall für die Weinbauern. Nach 1789 wurden die Bauern Eigentümer nationaler Güter und von Ländereien, die vormals im Besitz von Adeligen und dem Klerus waren. Es gab eine Vielfalt an Rebsorten: Melon, Blanc Meslier, Chasselas...



Der HANDEL mit den Weinen aus POUILLY wird durch die LOIRE BEGÜNSTIGT

Seit dem XVI. Jahrhundert werden die Weine auf der Loire transportiert, trotz der Schwierigkeiten auf Grund von Frosteinbrüchen oder Eisgang, Überschwemmungen oder Niedrigwasser. Die Eröffnung des Kanals von Briare 1642 richtete eindeutig den Handel auf Paris aus. Die "FRACHTBRIEFE" zeugen davon, dass Ende des XVII. und während des ganzen XVIII. Jahrhunderts der Wein aus Pouilly nach Montargis, Fontainebleau, Paris, Versailles verschickt wurde.

Die Kunden waren häufig Adelige, Leute aus der Kirche, reiche Bourgoisie, auch manchmal aus Pouilly stammende Händler, die sich in Paris niedergelassen hatten, deren Interessensbereich aber der Wein geblieben ist. Selbst bis nach England gelangten Pouilly-Weine, nachdem sie auf den Märkten von Rouen gehandelt wurden.

Die CHASSELAS-TRAUBE... als TAFELTRAUBE verkauft

Weinlese Fröhliche Zeit Weinlese mit dem Pferd
Später, ungefähr 1860-1862, wurde die Tafeltraube eine Zeit lang in Körben in die Hauptstadt verschickt, da sich dort ein wichtiger Markt auftat. Da die Produktion der Tafeltrauben von Fontainebleau und der Spaliere von Thomery für die Belieferung der Markthallen von Paris nicht mehr ausreichte, wandten sich die Einkäufer an ein naheliegendes Weinanbaugebiet, das bereits die Chasselas-Traube produzierte, und, was noch wichtiger war, das man per Eisenbahn erreichen konnte (kam 1861 nach Pouilly).
Drei Händler lassen sich in Pouilly nieder und nehmen somit Einfluss, dass die Weinbauern die Weinherstellung aufgeben und sich der Erzeugung der Tafeltraube widmen. Da die dafür gebotenen Preise viel einträglicher sind, entwickelt sich der Rebsortenbestand der Chasselas-Traube sehr rasch; allein der bedeutendste Eigentümer dieser Zeit pflanzt in den Jahren 1862 bis 1890 mehr als hundert Hektar "doré de Fontainebleau" (Goldene aus F.) . Die Winzergemeinden erfreuen sich zu der damaligen Zeit eines großen Wohlstands, trotz einiger Jahre, in denen unvorhersehbare, klimatische Entwicklungen, insbesondere Hagel, sie zur Weinerzeugung zwingen, da die Trauben in diesem Zustand nicht präsentierbar sind.


DIE INVASION des FALSCHEN MEHLTAUS 1888

Falscher Mehltau auf dem BlattFalscher Mehltau auf den Trauben Im Jahre 1888 taucht der falsche Mehltau auf und kein einziger Korb mit Trauben verläßt die Bahnhöfe von Mesves, Pouilly und Tracy. In guten Zeiten hingegen wurden auf dem Bahnhof in Pouilly bis zu drei Tausend Tonnen umgeschlagen, denn ab Ende September brachte jeden Tag um 16 Uhr ein Spezialzug vor Mitternacht die wertvollen Körbe in die Markthallen .


Auf den FALSCHEN MEHLTAU FOLGT DIE REBLAUS

Reblaus Pfropfen
ReblausPfropfen
N achdem die Weinbauern sich gerade mit der Bekämfung des falschen Mehltaus vertraut gemacht hatten, tauchte 1890 die Reblaus (eine verheerende Blattlaus aus Amerika) auf . Das bedeutete den Ruin, viele Weinbauern mussten sich umschulen lassen. Nach ziemlich fruchtlosen Versuchen, die Weinstöcke zu behandeln, wurden alle im folgenden Jahrzehnt entfernt, und nur ein Teil wurde nach Veredelung auf amerkanisches Holz wieder neugepflanzt.



Die CHASSELAS-TRAUBE wird WIEDER VINIFIZIERT

Zu Anfang des XX. Jahrhunderts gab es wieder große Mengen der Chasselas-Traube, jedoch hatte sich die Nachfrage aus Paris mehr in den Süden Frankreichs verlagert und so wurde die Erzeugung der Tafeltraube bald wieder eingestellt - es wurde wieder auf Weinherstellung umgestellt. Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung liegen die Ursprünge für die Erzeugung der Chasselas-Traube nicht im Weinanbaugebiet von Pouilly. Dies war zwar sicherlich ein sehr wichtiger Abschnitt, jedoch war dies nur von relativ kurzer Dauer, gemessen an der Geschichte des Weinanbaugebiets.


DAS ERREICHEN DER BEIDEN A.O.C. im Jahre 1937

Pépinière
Die Begrenzung des Gebietes für die Erzeugung geschah im Jahre 1929. Die Weinlagen von Pouilly erlangten rasch wieder ihre ehemalige Bekanntheit, und ihre Qualität wurde letztendlich bestätigt durch die Erlangung der zwei kontrollierten Ursprungsbezeichnung im Jahre 1937 :
  • POUILLY-SUR-LOIRE für die Rebsorte Chasselas


  • BLANC-FUME DE POUILLY oder POUILLY FUMÉ für die Rebsorte Sauvignon.





POUILLY FUME ... und warum fumé ?
Der Ausdruck " fumé " hat zwei Erklärungen : Die eine hängt zusammen mit der Rebsorte und die andere mit dem Terroir...
Der Pouilly Fumé stammt aus dem " Sauvignon blanc ", einer Rebsorte, deren Traubenbüschel aus kleinen eiförmigen, enganeinanderleigenden Traubenbeeren bestehen, ähnlich aussehend wie Meiseneier. Wenn sie reif werden sind diese Traubenbeeren überzogen von grauem Reif, der Farbe des Rauchs... dies ist die Erklärung, warum die Weinbauern von Pouilly von " Blanc Fumé " (Weiß, Rauchfarben) sprechen und damit die Rebsorte Sauvignon oder die aus dieser Rebsorte gekelterten Weine meinen.
Kieselstein
Grauer Reif

Die Beschreibung " fumé " (rauchfarben) bezieht sich auch auf die Aromen und das Bouquet (oder auf " fumet = Geruch "), unerreichbar und unter allen herauszukennen (der berühmte " feurige " Geruch, der entsteht, wenn zwei Kieselsteine aneinandergerieben werden). Diese Eigenschaften verleihen ihm die Ausnahme-Terroirs des Weinanbaugebiets Pouilly/Loire... das hat GEORGES BLANCHARD (Patoisdichter aus der Gegend des Nivernais) mit seinen eigenen, über das Terroir duftenden Worten sehr gut ausgedrückt in einem Gedicht mit dem Titel " L' vin d' Pouilly " (der Wein von Pouilly):

Pouilly, si ton nom vagabonde
Jusque dans les pays pardus,
Si t'es connu du bout du Monde,
Té l'doué au jus d'tes pieds tordus.

Té l'doué au soleil, à la terre,
A tout s'qui dounne à ton raisin
Un sacré foutu caractère
Qui I'fait différent d' son vouésin.
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